Wlodkowski: Täglich verschwinden in Österreich 20 ha Boden
Bauernvertretung legt Forderungskatalog zur Reduktion des
Flächenverbrauchs vor
Wien (AIM - 25.07.2012 12:54 Uhr) "In Österreich werden täglich über 20 ha Boden
verbraucht. Die jährliche Flächeninanspruchnahme ist im EU-Vergleich
in Österreich überdurchschnittlich hoch, gleichzeitig wächst aber der
Bestand an brachliegenden Industrie- und Gewerbeflächen, der rund ein
Drittel des jährlichen Bedarfs an Areal abdecken könnte. Geht nun der
derzeitige Flächenverbrauch in diesem Ausmaß weiter, würde in 20
Jahren zum Beispiel das gesamte Ackerland des Burgenlandes (150.000
ha) einer landwirtschaftlichen Produktion entzogen werden. Für die
Landwirtschaft ist der Boden die wichtigste Produktionsgrundlage.
Zudem erfüllen Äcker und Wiesen zahlreiche Funktionen wie
insbesondere die Regulierung des Naturhaushalts, sind Lebensraum für
Tiere und Pflanzen und bieten zahlreiche Schutzwirkungen wie
Wasserrückhalt und -Speicherung. Unsere Böden dienen dem Erhalt der
Biodiversität sowie der Kohlenstoffspeicherung und sind nicht zuletzt
Lebens- und Erholungsraum für den Menschen", verwies Gerhard
Wlodkowski, Präsident der LK Österreich, auf den neu erstellten
Forderungskatalog der Bauernvertretung zur Reduktion des
Flächenverbrauchs in Österreich.
Zwtl.: Enormer Flächenverbrauch in Form von Versiegelung und Bebauung
"Die Produktionsfunktion des Bodens ist unmittelbar mit der
Abdeckung der lebensnotwendigen Grundbedürfnisse der Menschheit
verbunden, weshalb es vorrangiges Ziel sein muss, den Boden zu
erhalten und bestmöglich zu schützen", so Wlodkowski.
"Nur rund ein Drittel der Gesamtfläche Österreichs eignet sich als
Dauersiedlungsraum. 15% davon sind bereits 'verbraucht'. Der
Flächenverlust in Form von Versiegelung und Bebauung nimmt jedoch
immer größere Dimensionen an und entzieht der Landwirtschaft zumeist
Böden mit dem höchsten Ertragspotenzial. So ging in den vergangenen
60 Jahren ein Viertel der damals genutzten landwirtschaftlichen
Fläche verloren. Heutzutage werden täglich rund 11 ha
landwirtschaftliche Fläche für Verkehr, Industrie, Wirtschafts- und
Wohnraum verwendet und auf Dauer einer anderen Verwendung zugeführt.
Rechnet man Freizeit- und Bergbauflächen mit ein, sind dies über 20
ha pro Tag", hielt der der LK-Präsident fest.
Zwtl.: Versiegelung verstärkt Auswirkungen von
Extremwetterereignissen
"Da durch die Versiegelung die wesentlichsten Bodenfunktionen wie
etwa Lebensraum- und Schutzfunktion auf Dauer nicht mehr zur
Verfügung stehen, ist damit zu rechnen, dass gerade auf solchen
Flächen negative Auswirkungen von Extremwetterereignissen verstärkt
werden. Gleichzeitig geht mit der verbrauchten Fläche auch die
wichtige Produktionsfunktion des Bodens für immer verloren. Darüber
hinaus ist dieses Areal dann keine Kohlenstoffsenke mehr, sondern
vielmehr eine Kohlenstoffquelle. Berechnungen zeigen, dass auf einer
versiegelten Fläche - je nach Aktivität - 181 bis 453 t CO2 pro ha
und Jahr emittiert werden", betonte Wlodkowski.
Im Österreichischen Raumordnungskonzept ist bereits 2001 die
Reduktion des Bodenverbrauchs als prioritäres Ziel definiert worden.
Ein Jahr später wurde im Rahmen der österreichischen Strategie zur
nachhaltigen Entwicklung eine Trendumkehr bei der jährlichen
Flächenversiegelung bis 2012 festgelegt.
"Das Ziel, bis zum Jahr 2010 die Flächenversiegelung auf ein
Zehntel zu senken, wurde jedoch weit verfehlt. Der überschießende
Verbrauch ist nicht allein auf die Bevölkerungsentwicklung
zurückzuführen. Wesentliche Ursachen sind vielmehr der gestiegene
Lebensstandard und dadurch bedingt deutlich flächenintensivere
Bebauungsformen sowie höhere Wohnansprüche, die Zunahme an
Single-Haushalten, ein Strukturwandel in der Wirtschaft, der Ausbau
der Verkehrsinfrastruktur sowie Betriebsansiedelungskonkurrenz
zwischen Regionen und Gemeinden. Hier müssen wir ansetzen und einen
anderen Umgang mit landwirtschaftlichen Flächen einfordern. Es muss
gelingen, den Verlust an Areal stärker ins Bewusstsein der Länder und
Gemeinden zu rücken. Dazu ist es notwendig, dass in einer Artikel 15a
B-VG Vereinbarung zwischen Bund und Ländern der schonende Umgang mit
der endlichen Ressource Boden verankert wird," erklärte der LK
Österreich-Präsident.
Die bäuerliche Interessenvertretung regt ein grundsätzliches
Umdenken im Umgang mit landwirtschaftlichen Flächen in Österreich an
und hat dazu acht konkrete Forderungen vorgelegt.
Zwtl.: 1. EU-Strategie zum quantitativen Bodenschutz erforderlich
Auf europäischer Ebene wurden bisher nur Maßnahmen betreffend den
qualitativen Bodenschutz vorgeschlagen (Vorschlag für eine
Bodenrahmenrichtlinie aus 2006). Wichtiger wären jedoch konkrete
Vorschläge für den quantitativen Bodenschutz. Die fortschreitende
Bodenversiegelung ist ein europäisches Thema und gefährdet die
Versorgungssicherheit in der EU. Die Europäische Kommission soll
daher eine entsprechende Strategie zum quantitativen Bodenschutz
verabschieden.
Zwtl.: 2. Staatszielbestimmung Versorgungssicherheit verankern
Der Verlust von land- und forstwirtschaftlichen Nutzflächen
gefährdet die Versorgungssicherheit bei Nahrungs- und Futtermitteln
sowie biogenen Rohstoffen und steigert die Importabhängigkeit
Österreichs. Eine Staatszielbestimmung mit entsprechender
Güterabwägung sollte in der Bundesverfassung verankert werden.
Zwtl.: 3. Artikel 15a B-VG Vereinbarung zur Bodenversiegelung
Die Raumordnungspolitik fällt in die Kompetenz der Bundesländer,
eine Österreich weit einheitliche Koordination fehlt bisher. Der
Flächenverbrauch ist stärker ins Bewusstsein der Länder und Gemeinden
zu rücken. In einer Artikel 15a B-VG Vereinbarung zwischen Bund und
Ländern soll der schonende Umgang mit der endlichen Ressource Boden
verankert werden, um die Ziele der österreichischen
Nachhaltigkeitsstrategie mittelfristig zu erreichen.
Zwtl.: 4. Koordinierte Raumordnungspolitik erforderlich
Die Kompetenzzersplitterung in der Raumordnungspolitik führt zu
einer mangelhaften Koordinierung in der strategischen Ausrichtung.
Koordinierte und langfristige Planungsinstrumente zwischen Bund, den
Ländern und den Gemeinden sind erforderlich. Die Österreichische
Raumordnungskonferenz (ÖROK) wird aufgefordert, ihre zuletzt im Jahr
2011 festgelegten Ziele und Handlungsgrundsätze des "Österreichischen
Raumentwicklungskonzeptes" im Sinne eines nachhaltigen und
ressourcenschonenden Umgangs mit der Flächeninanspruchnahme mit
Nachdruck umzusetzen.
Zwtl.: 5. Landwirtschaftliche Vorrangflächen ausweisen
Landwirtschaftliche Vorrangflächen wurden bisher nur in einigen
Bundesländern ausgewiesen. Um die Produktionsfunktion auf Dauer
erfüllen zu können, sollen jene Flächen, die für die Landwirtschaft
besonders geeignet sind, generell auf überregionaler Ebene als
landwirtschaftliche Vorrangflächen ausgewiesen werden.
Zwtl.: 6. Bodenverbrauchsprüfung als Bestandteil der
Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) und der strategischen
Umweltprüfung
Bei einem UVP-pflichtigen Bauvorhaben ist im Zuge des
Prüfungs-Verfahrens die Standorteignung in Hinblick auf die Bonität
des Bodens und möglicher Standortalternativen zu prüfen. Analog dazu
sollte auch bei der Bewertung von Umweltauswirkungen bestimmter Pläne
und Programme der Flächenverbrauchsaspekt größere Beachtung finden.
Zwtl.: 7. Revitalisierung von Ortskernen und Brachflächenrecycling
Um die Errichtung neuer Siedlungen am Ortsrand einzuschränken, ist
eine Revitalisierung von Flächen im Siedlungsbereich sowie Ortskernen
vorzunehmen. Ein dafür geeignetes Instrument wäre eine
Mobilisierungsprämie für den Abbruch von Gebäuden in Ortskernen.
Darüber hinaus sollte die Wiedernutzung bereits bebauter und
erschlossener, aber nicht mehr genutzter Industrieflächen erfolgen
(Brachflächenrecycling), da der Brachflächenzuwachs rund 3 ha täglich
beträgt.
Zwtl.: 8. Sicherung wertvoller Muttererde
Beim quantitativen Bodenschutz ist neben der Fläche auch die
Mächtigkeit des Bodens zu berücksichtigen. Nicht verunreinigtes
Bodenaushubmaterial sollte möglichst unbürokratisch zur Optimierung
der Produktionskraft der Böden verwertet werden.
(Schluss)
Rückfragehinweis:
LK-Pressestelle: Ludmilla Herzog,
Tel.01/53441-8522, E-Mail l. herzog @lk-oe.at
Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/5066/aom
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